Autor: Philipp Elsässer | 15.11.19, 22:00

Etwas zu Land und Leuten in Tansania (1)

In den 70ern haben meine Frau und ich als Entwicklungshelfer in Sambia gearbeitet, ganz im Norden, nicht weit weg vom Tanganjika-See. Zur Grenze nach Tansania war es nicht weit. Ab und an musste ich einen der Patres nach Sumbawanga bringen, dem ersten größeren Ort, ca. 70 km hinter der Grenze. Dort gab es nämlich eine Ordensschwester, die eine Zahnarztpraxis hatte. Nach Tansania ging man damals wirklich nur, wenn es nicht anders ging. Die Leute waren sehr stark indoktriniert, die Ablehnung gegen Europäer war ziemlich ausgeprägt. Zwei Stunden warten an der Grenze, als einziges Fahrzeug am Tag, nur als Schikane, das kenne ich von damals. Es war die Zeit von Präsident Nyerere, kein Despot, aber von gewissen schrägen Vorstellungen bezüglich der Entwicklung seines Landes besessen. Eine Strategie, "Ujamaa", beinhaltete, den Leuten auf dem dünn besiedelten Land bessere Infrastruktur und Dienstleistungen bieten zu können, wenn man sie nur in Großsiedlungen unterbringen würde. Freiwillig klappte das nicht, und so ging die Regierung zu Zwangsmaßnahmen über. Den ganz Hartnäckigen wurde das Heimatdorf unterm Hintern abgebrochen. Man sah zu dieser Zeit Tausende von Menschen mit den Resten ihrer Habseligkeiten, dem Vieh, und teilweise auch Resten ihrer Behausung auf dem Weg in die neuen Siedlungen. Dort erwartete sie - nichts oder sehr wenig. Die Regierung war schlicht überfordert, den Menschen das Versprochene (Schulen, Gesundheitseinrichtungen) zu erfüllen. In diesen Jahren hat die Landbevölkerung in weiten Teilen Tansanias viel mitgemacht. Genau auf dem Weg zwischen Sumbawanga und Mbala lag ein Dorf, recht groß, mit einer stattlichen katholischen Kirche. Binnen Wochen war das Dorf dem Erdboden gleichgemacht, die Kirche stand mutterseelenallein an der Straße.... Noch heute will niemand mehr etwas von "Association" (Zusammenschluß) oder "Cooperative" (Genossenschaft ) hören - verbrannte Begriffe!
Gottlob ging der Spuk vorbei und die Leute haben sich ihr Leben so eingerichtet, wie es die Umstände zulassen.

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