Autor: Philipp Elsässer | 25.11.19, 22:43

Geschichte und Geschichten...

Liebe Freunde und Unterstützer,
Tansania, oder; wie es offiziell heißt: Die Vereinigte Republik von Tansania, ist der Zusammenschluss von zwei Staaten: Tanganjika, dem Festland mit der kleinen Insel Mafia, und dem Sultanat Zansibar mit zwei anderen Inseln, Unguja und Pemba. Den Namen erhält Tansania von der Zusammenziehung der drei Bezeichnungen Tanganjika, Sansibar und Azania (das ist eine in der Antike gebräuchliche Beschreibung für die Länder der ostafrikanischen Küste).
Tanganjika wurde 1961 unabhängig; das Sultanat Sansibar 1963; 1964 erfolgte dann der Zusammenschluss.

Von etwa 1889 bis 2018 war Tanganjika deutsche Kolonie. Nach über hundert Jahren sind nicht mehr viele Spuren dieser Epoche sichtbar, einige aber schon noch: Zum Beispiel die Eisenbahn von Dar-es-Salaam bis an den Tanganjika- See, eine beachtliche Ingenieursleistung. Viele Bahnhöfe entlang der Central Line-Strecke muten noch ziemlich deutsch an; in Bagamoyo, der damaligen Hauptstadt der Kolonie, stehen noch einige Verwaltungsgebäude aus dieser Zeit. Sie befinden sich in bedauernswertem Zustand; die deutsche Botschaft legt alle zehn Jahre ein Renovierungsprogramm auf, aber irgendwann werden die leerstehenden Häuser auch sinnentleert sein. An was sollen sie noch erinnern? An die Herrenmenschen, die mit anderen die Welt unter sich aufteilen wollten?

Im ersten Weltkrieg, an dessen Ende die Deutschen zwar ihre Kolonien verloren, aber nicht ihre Kolonialgeschichte, war auch Tanganjika Kriegsschauplatz. Bemerkenswert ist das Geschehen um das deutsche Schiff Götzen – 70 m lang, das in Emden (Mayer-Werft) gebaut, dann wieder auseinandergebaut, in 5000 Kisten verpackt, per Schiff nach Dar-es-Salaam verfrachtet, dort auf die Eisenbahn geladen, nach Kigoma am Tanganjika-See gebracht, und sodann wieder zusammengebaut wurde. Bis zum Kriegsende kam es nie zum Einsatz; es wurde versenkt, wieder gehoben und diente jahrzehntelang, nun als Liemba, als zuverlässiges Transportmittel zwischen den See-Anrainern Tansania, Sambia, Kongo und Burundi.

Zu der an Skurrilitäten reichen Geschichte aus dem Krieg in Ostafrika gehört auch das Boot, das die Engländer vom Kongo her auf dem Landweg, gezogen von Dampf-Raupen zum Tanganjika-See beförderten, um die kleine deutsche Flotte auf dem See zu bekämpfen.

Der deutsche General Lettow-Vorbeck wurde von den militärisch überlegenen Engländern vier Jahre lang durch den Busch gejagt und kapitulierte, nachdem er der ersten Nachricht von der deutschen Niederlage misstraute, erst zwei Wochen nach dem Waffenstillstand von Compiègne. Die Gefangennahme erfolgte in Abercorn, dem heutigen Mbala in Sambia, wo noch heute eine Plakette Zeugnis ablegt.
Ehemalige Kolonialsoldaten Lettow-Vorbecks, die Askaris, erhielten eine kleine Rente von der Bundesrepublik, noch bis in die neunziger Jahre hinein lebten einige Veteranen.

Kommentare

Bitte melden Sie sich an, um Einträge zu kommentieren.
Bitte warten ...

0 Kommentar(e) zum Eintrag vorhanden